Teneriffa IV – Wanderung ins Wolkenland

Jetzt liegt unsere Reise nach Teneriffa schon ein ganzes Jahr zurück. Als wir damals von Mora losgefahren sind Richtung Flughafen, lag Schnee überall, da gerade ein Rückschlag kam. Dieses Jahr ist alles grün draußen. Nach dem langen und schneereichen Winter ist die Natur regelrecht explodiert. Ein riesiger Kontrast zu den Farben, die wir auf Teneriffa letztes Jahr erlebt haben. Den Großteil der Reise habe ich ja bereits geschildert – wer es nochmal nachlesen möchte: Teil I, Teil II (Ausflug zum Teide) und Teil III (Wanderung durch die Höllenschlucht). Ich bin aber letztes Jahr nicht mehr dazu gekommen, von unserer letzten Wanderung zu berichten. Da ist doch der Jahrestag unserer Reise ein idealer Zeitpunkt, um mich zu erinnern. Los geht’s!

Jonas hätte nichts dagegen gehabt, den Urlaub komplett am Strand zu verbringen, aber ich hatte Lust, die Natur vor Ort ein bisschen mehr zu erkunden. Ich habe mich daher schon im Voraus schlau gemacht, wo man wandern konnte und zwar auf eine Weise, die uns als eher unerfahrene Wanderer in der Hitze nicht überfordern würde. Auf einem deutschen Wanderportal wurde ich fündig und habe mir einen Ausflug in die Nähe von Garachico ausgesucht. Dieser Wanderweg führte um einen kleinen Vulkan herum, hatte schöne Aussichten und war weder zu anspruchsvoll noch zu lang. Perfekt für uns! An einem schönen Tag steuerten wir das Auto daher gen Norden nach La Montañeta. Nicht weit von diesem kleinen Ort entfernt liegt Arena Negras, ein Picknickplatz im Wald, von dem aus mehrere Wanderwege losgehen oder vorbeiführen.

Entsprechend der Wegbeschreibung haben wir unten an der Straße geparkt und sind die paar hundert Meter zu Arena Negras gelaufen. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, das Auto direkt dort zu parken. Aber auf diese Weise lief wenigstens der Anfang unserer Wanderung nach Plan. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich es trotz guter Vorbereitung meistens hinkriege, mich erst einmal zu verlaufen. So auch dieses Mal…

Wir sind zwar auf einem Wanderweg gelandet, aber der richtige schien es nicht zu sein. Aber da wir auch nach einigem Hin und Her den geplanten Weg nicht fanden, sind wir einfach auf dem geblieben. Er schien auch am Vulkan entlang zu führen, aber in eine andere Richtung. Was soll’s, dachten wir uns.

Optisch war der Wanderpfad direkt ansprechend – die schwarze Lavaerde, der blaue Himmel, das Grün und Gelb der Pflanzen – und dank der deutlichen Markierung einfach zu folgen. Es war ein warmer Tag und wir ließen uns Zeit.

Nach vielleicht einem Kilometer bekam ich die Hoffnung zurück, dass wir vielleicht doch nicht ganz so falsch unterwegs waren. Ich erkannte einen Punkt aus der Wegbeschreibung unser ursprünglichen Wanderung wieder und konnte daraus den Schluss ziehen, dass wir doch noch den geplanten Weg wandern könnten – nur in falscher Richtung. Gesagt, getan! Die Wanderung hat einen schönen Ausblick unter anderem auf den Teide angekündigt und so war es auch – auch wenn dieser in unserem Rücken landete. Aber macht ja nichts, wenn man ab und zu innehalten muss, um sich umzudrehen.

Ob es daran lag, dass Nebensaison war oder ob der Wanderweg eher unbekannt war, wir trafen unterwegs kaum auf Menschen. Einmal hielten wir allerdings kurz an, um uns mit einer älteren Dame zu unterhalten, die lustigerweise Deutsche war. Sie war von einem anderen Ort aus hergewandert und genauso entzückt von der Gegend wie wir.

Zum Glück wehte ein leichter Wind, sodass sich die Hitze nicht zu sehr über dem schwarzen Lavasand staute. Auf diese Weise ließ es sich gut wandern. Trotzdem waren wir froh, als der Wanderpfad auf der Rückseite des kleinen Vulkans – der übrigens nicht betreten werden durfte, da er Forschungssperrgebiet war – bergab in einen kühlen Kiefernwald führte.

Wir genossen das Schattenspiel und den von Kiefernnadeln übersähten Waldboden, auf dem es sich wunderbar weich laufen ließ. Auf einem großen Stein im Schatten machten wir kurz Rast, bevor wir weiter liefen.

Und dann fing es wieder an. Komisch, dachte ich. Das passt wieder gar nicht zur Beschreibung. Schließlich ging es bei unserem Wanderweg darum, den Vulkan zu umrunden und jetzt entfernten wir uns immer weiter davon. Ich erzählte vorsichtig Jonas von meinen Zweifeln. Keiner von uns wusste, wo wir anders hätten laufen können. Wir gingen noch ein bisschen weiter, aber schon bald war uns klar, dass wir tatsächlich – mal wieder – in die falsche Richtung unterwegs waren. Also umdrehen.

Jonas verlor kurzeitig die Geduld mit mir oder der Wanderung – etwas unklar – während ich versuchte, die abenteuerliche Seite an der Sache zu sehen. Letzlich war ja der Vulkan einfach wieder zu finden und wenn wir den Weg nicht fanden, konnten wir ja immer noch zurücklaufen. Aber ich habe eine richtige Abneigung dagegen, von A nach B und zurück zu laufen und so einigten wir uns schließlich darauf, eine Weile querfeldein auf den Vulkan zuzugehen. Nach meiner Logik würden wir dann früher oder später den Wanderweg kreuzen.

Wir ließen den Kiefernwald hinter uns und stiefelten über ein recht unwegsames Lavafeld, das aber immerhin optisch viel her machte. Und tatsächlich dauerte es nicht allzu lange, bevor wir auf einen kleinen ausgetrampelten und markierten Pfad stießen, der genau in die richtige Richtung zu führen schien. Jonas legte einen Zahn zu und ich musste mich beeilen, nicht abgehängt zu werden, denn ich musste ständig anzuhalten, um Fotos zu machen (einige sind unscharf geworden, weil ich eben nicht ganz angehalten habe). Denn hier gab es nicht nur tolle Farbkontraste und tolle vulkanische Aussichten zu bewundern, sondern auch eine wundersame Stimmung.

Denn jetzt befanden wir uns auf der Nordseite des Vulkans und vom Meer her zog eine Wolke den Berg herauf, die genau bis zu unserem Pfad reichte. Die Nebenschwaden der Wolken waberten durch die Bäume und zogen sich wie wellenartig wieder zurück, bevor sie erneut bis zu unserem Pfad kamen und uns einen kühlen, feuchten Lufthauch mitbrachten.

Eine ganze Weile liefen wir durch das verzauberte Wolkenland, bevor wir auf der anderen Seite wieder in die Sonne kamen. Jetzt lag der Teide wieder vor uns und wir näherten uns dem Anfangspunkt unserer Wanderung.

Nach der kaltfeuchten Luft war die wärmende Sonne richtig angenehm. Und als der Pfad sich in einer Kurve wieder dem Picknickplatz näherte, wurde uns auch klar, wo wir am Anfang falsch gelaufen sind. Wir hätten direkt vor dem Eingang zum Picknickplatz rechts laufen müssen, statt erst hinterher. Gut, es wurde auch so eine schöne und sehenswerte Wanderung! Mir hat sie gerade aufgrund der tollen Stimmung in der Wolke besonders gut gefallen. So etwas kann man natürlich nicht planen, aber ich werde mich noch lange an die einzigartige Stimmung auf dem nebligen Lavafeld erinnern.

Zurück auf dem Waldweg, der von Arena Negras zu unserem Auto führte, holte uns die Wolke wieder ein und verlieh auch hier dem Wald eine mystische Stimmung. Diese wurde noch durch die mitgenommene, geschwärzte Rinde der hohen Bäume hier verstärkt, die von einem Waldbrand vor vielen Jahren stammte. Die dicke Rinde ist zwar heute noch teilweise schwarz, aber den starken Bäumen konnte das Feuer anscheinend dennnoch nicht allzu viel anhaben, denn der Wald steht immer noch dicht.

Alles in allem – trotz ungeplanter Umwege – ein wunderbarer Wandertag, an den ich viele gute Erinnerungen habe. Jetzt bin ich gespannt, ab wann Mattis bereit für die erste kleine Wanderung hier in Schweden ist. Es juckt mich in den Füßen und es zieht im Herz, wenn ich die schöne Natur draußen durch das Fenster betrachte.

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