Maiwanderung

Am ersten Mai ist ja ein klassischer Wandertag – zumindest in Deutschland – und da wir ausnahmsweise richtig tolles Wetter hatten, sind auch Mama und ich losgezogen. Allerdings ohne Bollerwagen.

Ich hab mich vorher noch auf meiner Outdoorhomepage meines Vertrauens, Mora Outdoor, schlau gemacht und beschlossen, dass wir etwas ganz Neues ausprobieren. Daher haben wir das Auto Richtung Siljansfors gesteuert, wo es heute ein Waldmuseum und eine Jugendherberge gibt. Früher wurde hier Eisen abgebaut, wovon im Wald der Umgebung noch viele Spuren zu finden sind.

Dort haben wir den gelben Wanderweg gewählt, der uns auf und um den Harkenberg führen sollte. An dieser Stelle schon mal eine Warnung – das gibt heute einen sehr bilderlastigen Blogeintrag!

Der Pfad führte uns erst entlang eines Kanals, der Wasser vom naheliegenden See Jugen zur Eisenherstellung nach Siljansfors leitete. Wir gingen auf einem kleinen Damm neben dem Kanal, Momo abwechselnd auf dem Damm und im Kanal…anscheinend war ihr durch den warmen Sonnenschein gut warm.

Auf diese Weise hatten wir gleich zu Anfang immer etwas zu lachen. Zeitweise kam Momo nur aus dem Kanal raus, um Froschlaich auszuweichen – sehr rücksichtsvoll von ihr. Froschlaich und ihre Besitzer gab es hier öfters mal.

Eine kurze Strecke verlief unser Pfad gemeinsam mit dem Langwanderweg Siljansleden, den wir zumindest in kleinen Teilabschnitten auch mal erforschen wollen.

Kurz führte uns der Waldpfad auch am Jugån vorbei, dem Waldbach, der vom See Jugen Richtung Siljansfors fließt. Ein richtiger Schwarzwaldbach, meinte Mama. Hier durfte Momo nicht baden (gegen ihren Willen), denn der hatte schon deutlich mehr Strömung als der kleine Kanal.

Vom Bach aus ging es dann bergaufwärts, vorbei an Ruinen aus der Eisenherstellungszeit. Momo musste natürlich sofort die Kellerruine erforschen, während sie das Hundegrab der Lola kalt ließ.

Wir überlegten derweil, wie die damaligen Arbeiter wohl das Haus bewohnt hatten, das bei 12 Räumen insgesamt vier Wohnräume hatte und 8 Küchen. Eine etwas andere Hausplanung als zu unseren Zeiten!

Jetzt ging es allerdings wirklich weiter bergauf und tiefer in den Wald hinein. Die Sonne schien durch die Zweige und die Vögel zwitscherten, während wir geruhsam unseren Weg durch den Wald bahnten. Geruhsam auf unserer Seite, Momo war völlig überdreht und raste den Pfad in einem abartigen Tempo auf und ab, dass ihr die Ohren schlackerten.

Der Wald selber war richtig schön. Immer wieder lagen große Findlinge abseits des Pfades und Blaubeeren und Preiselbeeren kann man hier im Herbst sicher in Massen finden. Da muss man dann vermutlich nicht mal Verpflegung einpacken, bis man auf dem Gipfel ist, ist man gut satt.

Momo liebt ja Findlinge und weist dabei immer eine erstaunliche Kletterfreudigkeit auf. Nachdem sie den großen Findling (an die 3 m hoch, schätze ich), erst von der Rückseite bestiegen hatte, kam sie auch die ziemlich steile Vorderseite raufgerast. Sehr beeindruckend!

Der nächste Waldabschnitt war ganz in meinem Geschmack. Die Massen an Preiselbeerbüschen wurden immer mehr durch Moos ersetzt und der Wald erschien mir immer verwunschener.

Das Sonnenlicht auf dem Moos bildete kleine Inseln und tauchte den Wanderpfad in ein weiches Licht-und-Schatten-Spiel.

Hier gab es keine Bäche für Momo mehr, weder zum Baden noch zum Trinken, aber kurz vor dem Gipfel konnten wir ihr ein paar erfrischende Schneebälle servieren, denn hier lagen noch ein paar kleine Überrreste. Und kurz danach kamen wir am Rastplatz an, der mit einer Aussicht bis zum Siljansee aufwarten konnte.

Hier haben wir erstmal eine Pause eingelegt, was getrunken und Mamas leckeren Kartoffelsalat gegessen. Momo brauchte dringend eine Pause – unserer Meinung nach zumindest – vor allem, um mal etwas ruhiger zu werden, denn bis zum Gipfel war sie wirklich sehr überdreht. Völlig berauscht von dem neuen Wanderweg könnte man meinen.

Nach der Rast ging der Weg auf der anderen Bergseite entlang wieder abwärts. Nachdem wir vorher in nördlicher Richtung durch den moosigen Zauberwald gelaufen sind, ging der Pfad Richtung Westen. Hier sah der Wald gleich ganz anders aus. Es war deutlich trockener, lichter und statt grünem, feuchtem Moos gab es große Teppiche mit Weißmoos (das eigentlich kein Moos ist), das unter den Füßen knisterte, so trocken war es.

Schon seit Anfang des Pfades standen immer mal wieder Infotafeln am Waldpfad, die wir aber erst ab den Ruinen angefangen haben zu lesen. Auf diese Weise wurden wir auch immer über den aktuellen Wald informiert, denn der gehört heute einer Universität, die Waldforschung betreibt. Entsprechend werden verschiedene Waldteile unterschiedlich (oder gar nicht) bearbeitet und wir erfuhren oft wie alt die Bäume waren (alles zwischen 20 und 250 Jahren). Auf diese Weise blieb der Wanderweg extra abwechslungsreich, denn der Wald war wirklich alle 500 Meter wieder anders. Nach dem Gipfel kamen wir durch den Jungwald, da dort oft Waldbrände geherrscht haben, gibt es dort keine älteren Bäume. So trocken wie es da war, war uns auch gleich klar, warum.

Anschließend wurden die Bäume wieder höher und der Waldboden grün. Die Luft wurde auch gleich anders und irgendwie fühlte sich alles gleich viel harmonischer an. Schon interessant wie unterschiedlich ein Wald auf einen wirkt.

Hier lagen auch wieder große Findlinge herum und warfen Schatten. In diesem Waldteil standen die ältesten Bäume und so wirkte auch der Wald.

Kurz danach lagen vertrocknete Birkenblätter auf dem Boden und nach einer Kurve kamen wir zu einer Orchideenwiese. Auf der wuchs natürlich jetzt noch nichts, aber in ein paar Wochen kann man dort auf Blumensuche gehen. Kurz danach war auch wieder der Straßenverkehr zu hören und die Zivilisation hatte uns wieder.

Am Ende des Pfads konnte man sich in ein Buch eintragen, was wir natürlich getan haben. Auch wenn wir den ganzen Tag keiner Menschenseele begegnet sind, waren Einträge der letzten Tage vorhanden. Allgemein war es eine internationale Schar, die hier wandern war, das war schön zu sehen.

Insgesamt hat uns der Wanderpfad sehr gut gefallen. Abwechslungsreich mit schönen Aussichten, einfach zu gehen und sehr idyllisch. Den werden wir dieses Jahr definitiv noch mehrmals laufen, um ihn in den verschiedenen Jahreszeichen zu erleben. Ich freue mich jetzt schon drauf.

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