Teneriffa III – Wanderung durch die Höllenschlucht

Die Zeit rast gerade sehr. Jetzt ist es schon bald 2 Monate her, dass wir auf unserer Hochzeitsreise auf Teneriffa waren. Ein kaltes und regnerisches Sommerwochenende wie dieses ist perfekt, um sich an die schweißtreibende Wanderung zu erinnern, die uns durch das Barranco del Infierno führen sollte.

Das Barranco del Infierno – die Höllenschlucht – lag nur wenige Kilometer von unserer Ferienwohnung entfernt im Nachbardorf Adeje. Durch die Schlucht – ein Naturschutzgebiet – führt ein nicht ungefährlicher Wanderweg, der uns, was Länge und Schwierigkeit anging, aber gut machbar erschien. Da es früher immer mal wieder zu Unfällen gekommen ist, gibt es heute strenge Auflagen für den Besuch der Schlucht. Nur einer bestimmten Anzahl von Personen pro Tag ist der Zutritt erlaubt und nur mit Helm. Bevor es los ging, erhielten wir einen kurzen Durchgang der Sicherheitsregeln, zwei Helme und eine Karte mit auf den Weg.

Bei 25 °C und strahlendem Sonnenschein wanderten wir los. Wir hatten uns mit mehreren Litern Wasser und ein paar belegten Broten ausgestattet und nochmal ordentlich mit Sonnencreme eingeschmiert. Immerhin konnten wir uns dank der Helme den Sonnenschutz auf dem Kopf sparen.

Schon kurz nach Beginn des Wanderpfades hatten wir den Trubel der spanischen Dörfer hinter uns gelassen und wurden von Stille umgeben. Außer unseren Schritten und ab und zu einem vom Wind verursachten Rascheln in den Zweigen war kaum etwas zu hören. Der Pfad klammerte sich an den steilen Hang des Barrancos und war gut ausgebaut. Immer wieder blieben wir stehen und bewunderten die zerklüfteten und wilden Hänge der Schlucht. Nach ein paar hundert Metern überholten wir ein anders Paar, das gerade an einem Aussichtspunkt Rast machte, aber sonst begegneten wir erst mal keiner Menschenseele.

Wir waren ziemlich erstaunt, wie grün die Schlucht war. Besonders höllisch fühlte sie sich nicht an, zumindest nicht auf der ersten Strecke.

Lokal-Graffiti

Die Sonne knallte ordentlich und so war es ganz angenehm, als der Pfad nach ein paar Kilometern abwärts in die Schlucht führte, wo die wilde Vegetation und die hohen Wände der Schlucht mehr Schatten boten.

Unten angekommen, erreichte der Pfad den Wasserkanal, durch den der Bach des Barranco an dieser Stelle geleitet wurde. Hier legten wir eine Rast ein, da uns beim Sicherheitsdurchgang gesagt wurde, dass danach der gefährlichere Teil des Pfades lag. Dies war also die letzte Stelle, an der man ohne größeren Risiko ein bisschen verweilen konnte, ohne Steine auf den Kopf zu bekommen. Auf der restlichen Strecke sollten wir nicht länger als 30 Sekunden stehen bleiben, um uns so wenig wie möglich dem Steinschlagrisiko auszusetzen.

Klingt ja alles recht gefährlich, auch wenn es uns in dem Moment nicht so vorkam. Immerhin wurden alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen getroffen – an unserem Rastplatz stand unter anderem eine große Truhe mit Rettungsausrüstung für eventuelle Notfälle. Und weiter hinten in der Schlucht trafen wir auf einen Mitarbeiter des Barranco del Infierno, der darauf achtete, dass sich niemand unnötig in Gefahr begab und im Falle eines Unfalls schnell zur Hand sein konnte.

Daher waren wir recht beruhigt, was das Risiko anging und konnten die tolle Umgebung genießen, auch wenn so ein bisschen Nervenkitzel auf der gefährlichen Strecke natürlich schon zu spüren war. Ich hatte noch überlegt, ob ich meine Kamera auf dieser Strecke wegpacken sollte, aber es war dann doch einfach zu schön, um nicht zu fotografieren. Und ein Foto zu machen dauert ja zum Glück nur ein paar Sekunden.

Hier unten war es etwas kühler und statt mexikanisch anmutender Steilhänge voller Kakteen und Sukkulenten wuchsen hier unten Sträucher, Farne und Moose entlang des kleinen Bachs, den wir mehrmals überquerten.

Ab und zu gab es Hinweisschilder zu interessanten Stellen der Schlucht, unter anderem hier an der alten Kastanje. In der Schlucht gibt es eine vielfältige Flora und Fauna, was dem Bach zu verdanken ist, der als einer der wenigen auf der Insel das ganze Jahr über Wasser führt. Schade, dass man an diesem Punkt nicht mehr länger Pause machen durften, sonst hätten wir unsere warm gelaufenen Füße sicher im Bach abgekühlt.

Nachdem am Anfang der Wanderung die steilen Bergwände der Schlucht wie eine gemalte Szene vor uns lag, befanden wir uns jetzt mittendrin. Rechts und links von uns türmten sich senkrechte Steilwände auf und der Pfad lag jetzt komplett im Schatten.

Jetzt mussten wir den Kopf ordentlich in alle Richtungen drehen, um die Umgebung ganz zu sehen. Die Sonne warf ihre Strahlen über die Kante der Felsrücken und auch wenn sie uns auf dem Pfad unten nicht erreichte, sorgte sie dennoch für tolle Lichteffekte.

Wow, dachte ich hier einfach nur. Hier suchte sich die Sonne durch den Spalt zwischen den dichten Felswänden und tauchte den Endpunkt des Wanderpfades in ein mystisches Licht. Hier durften wir uns laut Personal fünf Minuten lang aufhalten, im Schatten ausruhen und die Szenerie genießen, bevor wir uns wieder an den Aufstieg machten. Hier war auch die einzige Stelle, an der ich hörte, wie ein kleiner Stein sich von der Felswand löste und nach unten kullerte. Das einzige andere Geräusch war Wasserrauschen.

Hier am Ende der Schlucht suchte nämlich der Bach einen Weg nach unten und bildete dabei einen kleinen, aber feinen Wasserfall. Insgesamt um die 200 Meter hoch, allerdings in mehreren Etappen, von denen wir nur die zwei letzten sahen. Auf den Bildern macht er sich vielleicht nicht so imposant, aber in Wirklichkeit hatte dieser Ort einen ganz eigenen Zauber.

Wir fingen instinktiv zu flüstern an, als wären wir an eine heilige Stätte gelangt. Was vermutlich hauptsächlich an dem wundersamen Licht und der Stille lag, die nur von dem gleichmäßigen Rauschen des Wasserfalls unterbrochen wurde.

Erst als wir uns von dem schattigen Rückzugsort losrissen und uns auf den Rückweg machten, trafen wir wieder andere Wanderer. Auch wenn es hier natürlich hauptsächlich um eine Sicherheitsmaßnahme ging, war es wirklich schön, dass der Pfad nicht überlaufen war und wir ihn mit minimalen Begegnungen mit anderen Menschen alleine erleben konnten.

Der Rückweg verlief gefühlt schneller, auch wenn es natürlich bei weitem mehr bergauf ging als auf dem Hinweg. Ein schöner Moment, als wir wieder auf der geraden Anfangsstrecke waren und in der Ferne das Dorf Adeje wieder ausmachen konnten. Direkt am Ausgang des Barranco del Infiernos liegt nämlich ein Restaurant, wo wir es uns auf der schattigen und luftigen Terrasse bequem machen konnten – und nicht nur wir haben uns dort von der Wanderung erholt, sondern auch ein, zwei andere Pärchen, die wir unterwegs getroffen haben. Hier konnten wir alle die müden Beine ausstrecken, uns den Wanderstaub aus der Kehle spülen und unsere Energiereserven nachfüllen. Ein gelungener Tag!

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2 Kommentare

  1. Ursula und Günter sagt: Antworten

    Hallo Birte und Jonas,
    habe gerade deinen Blog über den Barranco del Infierno gelesen. Meinte , mit Euch zusammen diese tolle und interessante Tour zu machen. Wir erwanderten den Barranco vor etlichen Jahren noch ohne Sicherheitsvorkehrungen und drumherum, allerdings mit deutlich mehr Menschen.
    Schön, dass Ihr einen solchen erfüllten Tag genießen konnten, deine schönen Bilder sprechen Bände.
    Wir freuen uns mit Euch und hoffen, dass Ihr jetzt endlich Sommer in Mora habt.
    Liebe Grüße,
    Ursula und Günter

    1+

    1. Schön, dass ihr die Tour mit uns ganz gefahrlos erleben konntet 🙂 uns hat es sehr gut gefallen!
      Der Sommer ist bisher nicht so dolle, die ganze Wärme ist in Deutschland hängen geblieben. Ihr dürft uns gerne welche schicken! Wir wünschen euch einen schönen Sommer in Deutschland bevor es dann wieder nach Teneriffa geht! Liebe Grüße von uns beiden!

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