Schwedischer Sommer

Schwedischer Sommer – ich nehme an, jeder hat seine eigene Definition davon. Während die einen an eine Idylle à la Astrid Lindgren denken – mit rot-weißen Häuschen vor einem grünen Wald und blauen Seen im strahlenden Sonnenschein, der nicht mal nachts verschwindet – denken die anderen an Stechmücken, Regenwolken und Gummistiefel. Die Wahrheit liegt – wie so oft im Leben – irgendwo dazwischen. Je nach Jahr schwenkt der schwedische Sommer mehr zum einen Extrem und im nächsten Jahr vielleicht in die andere Richtung.

Dieses Jahr will der Sommer nicht so richtig in die Gänge kommen. Der See ist immer noch bitterkalt, der Wind bringt eine scharfe, nördliche Kälte mit, während die Sonne aber schon angenehm wärmt und zahlreiche Blumen die Straßengräben schmücken.

Nachts wird es gerade kaum dunkel. Kurz vor 23 Uhr geht die Sonne unter und kurz nach 3 Uhr schon wieder auf. Dazwischen wird es gerade mal dämmrig. Ich träume davon, eine Nacht mit der Kamera draußen zu verbringen und den Wechsel zwischen Sonnenuntergang, nächtlicher Dämmerung und Sonnenaufgang mitzuerleben. Bisher hat mich die fiese Müdigkeit davon abgehalten. Der Sonnenaufgang muss noch etwas warten. Den Sonnenuntergang habe ich aber schon genossen…

Vor ein paar Tagen hat es mich zusammen mit einer Freundin nach Sollerön verschlagen. Nachdem wir zuerst daheim im Garten gesessen und hausgemachte Pizza genossen haben, schlug Elin einen abendlichen Roadtrip vor. Ich fand die Idee sofort genial und habe sie zu einigen Lieblingsplätzen in Sollerön geführt. Auf dem Bootssteg von Bengtsarvet haben wir es uns eine Weile gemütlich gemacht, die Beine baumeln lassen und den Abendhimmel angeschaut.

Eine wunderbare Stimmung, wenn sich der See glättet und den Himmel spiegelt. Auch wenn es kein Sonnenuntergang mit kräftigen Farben war, war es wunderschön.

Wenn ich darüber nachdenke, was mir an Schweden so gut gefällt, komme ich immer wieder auf das besondere Licht zurück. Die Worte, um passend zu beschreiben was es für mich bedeutet, finde ich allerdings nur schwer. Vermutlich, weil ich das Licht nicht nur mit den Augen betrachte, sondern eher mit dem ganzen Körper erlebe. Ganz egal, ob es das eiskalte Licht eines verschneiten Wintertags, das bläuliche Licht einer Sommarnacht oder das goldene Licht am Abend ist. Und ich nehme an, für jeden ist dieses Erlebnis einzigartig.

Tagsüber bin ich im Sommer gerne im Wald (zumindest so lange der See noch zu kalt zum Baden ist), abends zieht es mich aber eher an den See.

Als ich diese Woche abends mit der Kamera Richtung See gezogen bin, haben mich allerdings die Lupinen vom Strand am Åmåsängsgården weggelockt. Hunderte, vielleicht sogar tausende Lupinen, die vom goldenen Abendlicht angestrahlt wurden. Auch wenn es Leute gibt, die Lupinen als Unkraut beschimpfen, das andere Wildblumen verdrängt, bin ich großer Lupinenfan. Diese Blumen gehören für mich untrennbar zum schwedischen Sommer, schon seit ich das erste Mal als Erwachsene meinen Fuß in dieses Land gesetzt habe.

Vor meinem inneren Auge sah ich mich inmitten des Lupinenmeers stehen, ins warme Abendlicht getaucht. Glücklich wie ein Fohlen auf der Sommerweide. Furchtbar kitschig.

Da ich kein Stativ dabei hatte, musste Jonas kurz ran und mich nach meinen Anweisungen fotografieren. Meine Lupinenliebe musste ja unbedingt festgehalten werden!

Auf dem Heimweg habe ich Jonas vorgeschickt. Ich musste alle paar Meter anhalten, da das Abendlicht immer wieder so schön war. Während ich in Sollerön die blaue Stunde erleben durfte, war ich hier inmitten der goldenen Stunde.

Ich wäre am liebsten überhaupt nicht nach Hause gegangen. Nur das Wissen, dass am nächsten Tag wieder um 5 Uhr 30 der Wecker klingeln würde, hat mich dann doch langsam aber sicher nach Hause getrieben. Aber ich finde es immer schwer, mich von solchen Momenten loszureißen. Ist es nicht wunderschön, wie das goldene Sonnenlicht durch die Bäume fällt?

Nicht mal die Insektenwolken konnten mir die Stimmung vermiesen.

Sieht übrigens schlimmer aus, als es war, ich wurde jedenfalls nicht gestochen. Und irgendwie gehört ja auch das zum schwedischen Sommer dazu – Insektenschwärme, die durch die warme Abendluft surren und im Gegenlicht aufleuchten.

Dieser Feldweg ist mir so vertraut wie meine Hosentasche. Hier gehe ich mit Mamas Hund spazieren, wenn sie bei uns ist. Hier gehe ich oft selbst spazieren (und selten sogar mal joggen). Hier fahren wir mit dem Fahrrad zum Strandbad oder zur Pizzeria am Åmåsängsgården. Und ich freue mich jedesmal, wenn nicht nur die Pferde auf der Weide stehen, sondern wie jetzt auch Kühe und Schafe. Vor allem die Schafherde muss ich demnächst mal besuchen. Denn auch die gehört zum Sommer dazu.

 

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2 Kommentare

  1. Das Licht ist wirklich ein Traum! Zu schön!

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  2. Ja, in das schwedische Licht kann man sich wirklich verlieben! Verschlägt es dich auf deinen vielen Reisen eigentlich auch mal zu uns in den Norden? 😉

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