Auf Entdeckungstour

Letzte Woche hatte ich irgendwann genug von diesem kalten Sommerwetter und habe beschlossen trotz kühler Temperaturen und starkem Wind raus zu gehen. Immerhin war es ein sonniger Tag – perfekt für eine kleine Nachmittagswanderung. Also setzte ich mich in mein Auto und steuerte Richtung Gesunda.

Kurz hinter dem Dorf bog ich auf einen Feldweg ein, der mich an roten Stugas, grünen Wiesen und dichtem Wald entlang weg vom See führte. Als es immer weiter bergauf ging, konnte ich zwischen den Bäumen in der Ferne den Siljansee blitzen sehen. Dann tauchten plötzlich vereinzelte kleine Hütten am Wegesrand auf. Das Fehlen der roten Farbe ist typisch für ein altes Dala-Fäbod. Als der Weg aufhörte, parkte ich mein Auto und schaute mich um.

Hinter mir lagen die von Sonne und Wind ausgebleichten Holzhütten des Fäbods Övre Lövberg. Vor mir lag ein verwilderter Traktorweg, der mit seinen Wildblumen einladend aussah. Mein Ziel war es, zur alten Kupfermine auf dem Flenberget zu wandern. Der Wanderpfad sollte laut Beschreibung an einem Traktorweg starten. Sah aus, als hätte ich ihn direkt gefunden. Gut gelaunt stapfte ich im Sonnenschein vorbei an Blumen in den Wald hinein. Traktorpfad kam mir als Bezeichnung etwas übertrieben vor, hier war schon lange kein Traktor mehr gefahren. Aber es ließ sich eine Art Pfad erahnen, dem ich zwar skeptisch, aber wohlgemut folgte. Während es leicht aufwärts ging, konnte ich zwischen den Bäumen schon die Aussicht über den See genießen.

Der Pfad wurde immer undeutlicher, aber da es definitiv keine Abzweigung gab, ging ich tapfer weiter bergauf. Aber konnte das wirklich der Weg zur Mine sein?

Als der ohnehin schon vage Weg kurz danach in einer Sackgasse endete, beschloss ich wieder umzudrehen. Ich hatte keine Lust im Wald verloren zu gehen und das konnte eindeutig nicht der Wanderpfad sein, von dem ich gelesen hatte. Also wieder zurück. Links und rechts schaute ich aufmerksam ins Gebüsch, konnte sich da irgendwo der richtige Pfad verstecken?

Kein Pfad in Sicht, aber genug Zeit, um wichtige Gedanken hin und her zu wenden. Bin ich resistent gegen Wegbeschreibungen? Ist die Wegbeschreibung womöglich falsch/veraltet/undeutlich und ich kann nichts dafür? Habe ich eine enorm schlechte Orientierung? Immerhin habe ich neulich auf dem Gesundaberget auch schon ewig nach dem richtigen Pfad suchen müssen. Und nicht nur das, es lag womöglich auch an mir, dass wir damals auf der Klassenfahrt in Italien nicht zum Amphitheater in Lucca gefunden haben – trotz Wegbeschreibung von Klassenkameraden, die wir unterwegs getroffen haben…

Wieder am Wendeplatz angekommen, suchte ich also nach einem anderen Traktorweg – dem richtigen. Und etwas, was einem Weg ähnelte, habe ich auch gefunden, aber Traktorweg wäre eher die falsche Bezeichnung. Hier war sicher eine größere Maschine zum Bäumefällen oder dergleichen durch den Wald gebraust. Immerhin gab es ein paar Zeichen dafür, dass ich auf dem richtigen Weg sein könnte…

Eine Steinmarkierung! Ganz eindeutig ein Weg, dem man folgen sollte!

Fußspuren! Sowohl von Menschen als auch von Elchen. Gerade zu eine Waldautobahn! Kann ja gar nicht schiefgehen!

Aber naja, ihr ahnt es schon – auch das war nicht der richtige Weg, aber diesmal war der Rückweg zum Wendeplatz etwas kürzer. Auch diesmal habe ich den kleinen Gedanken, mich einfach querfeldein (querwaldein?) bis zur Kupfermine durchzuschlagen, ganz schnell wieder unterdrückt und weiter darüber nachgedacht, warum ich einfach nicht den richtigen Weg finden konnte. Schlichtweg zu blöd vielleicht? Kam mir immer wahrscheinlicher vor.

Die Zeit rannte auch langsam davon und daher war ich schon geneigt aufzugeben, als sich mir weiter unten am Wendeplatz (ziemlich genau hinter meinem Auto) dieser Anblick bot.

Gut, hier ist sicher auch schon länger kein Traktor mehr gefahren, wenn man bedenkt, wie die Vegetation hier aussieht, aber es sieht immerhin deutlich aus, als könnte das vor nicht allzu langer Zeit mal ein richtig schöner Traktorweg gewesen sein. Ein letzter Versuch also, dachte ich, und konnte kurz danach jubeln, als tatsächlich ein markierter Wanderpfad abzweigte! So einfach hätte es also sein können!

Naja, ein bisschen extra Bewegung schadet ja nie. Aber jetzt konnte es losgehen! Der Pfad schlängelte sich stetig bergauf durch einen dichten Wald mit vielen Blaubeersträuchern, der sich nach einer Weile aber lichtete und sich mit größeren Steinblöcken und Klippen abwechselte.

Es gab Markierungen an Bäumen sowie aufgestapelte Steinhaufen und überhaupt konnte man sich auf diesem Pfad wirklich nur mit sehr viel gutem Willen verirren. Warum nur hat es so lang gedauert, bis ich ihn gefunden habe? Naja, das Warten hat sich gelohnt, es war wirklich ein schöner Pfad.

Ungefähr auf halber Strecke kam dann auch der Wegweiser zur Flengruvan als weitere Bestätigung, dass ich endlich auf dem richtigen Pfad unterwegs war. Also nichts wie hin!

Diese kleine, noch recht einsame Blaubeere wurde noch kurz kameratechnisch festgehalten, bevor ich sie mir einverleibt habe. Ab jetzt rechne ich fest mit Blaubeeren auf meinen Wanderungen! Der perfekte Snack unterwegs! Die extra Energie hatte ich nach meinen Umwegen auch bitter nötig.

Bevor ich bei der Grube ankam, musste ich allerdings auf einer großen Klippe kurz anhalten und die Aussicht genießen, wie sich das für eine Wanderung gehört, egal wie groß oder klein oder chaotisch.

Bis Siljansnäs konnte man von hier aus sehen! Hier gab es auch Reste eines Lagerfeuers und hätte ich mehr Zeit (und Gesellschaft) gehabt, hätte ich mir hier eine längere Pause durchaus denken können. Jetzt wollte ich aber wirklich die Kupfergrube sehen…

Ab hier führte der Pfad steil bergab, inklusive Kletterpartie zu einem Bergvorsprung. Als ich dort ankam, konnte ich rechts von mir schon die Kupfermine erahnen. Mithilfe eines Seils (danke an die Person, die das da aufgehängt hat) konnte ich problemlos die letzten Meter den Hang herunterklettern und stand plötzlich vor der Kupfermine. Besonders groß ist sie nicht – vor allem, wenn man an die Größe der Kupfergrube in Falun denkt, die etwa zeitgleich entstanden ist. Aber trotzdem sehenswert nach der kurzen Wanderung. Nur – wie haben die damals das Kupfer von hier aus weg transportiert? Kein Wunder wurde die Mine irgendwann aufgegeben, das kann nicht ganz einfach gewesen sein.

Als ich vor der Mine stand, war nicht besonders viel Wasser darin – der Grund des senkrechten Lochs war allerdings nicht zu sehen, wer weiß, wie tief es eigentlich ist. Als ich im Internet versucht habe, mehr über die Flengruvan herauszufinden, konnte ich allerdings ein altes Schwarzweißfoto finden, auf dem fast der gesamte Tunnel unter Wasser stand.

Ein spannender Anblick war es jedenfalls! Schade, dass es so schwierig ist, Informationen über die Kupfergrube zu finden, es hätte mich interessiert, mehr darüber zu erfahren. Aber so musste ich eben meine Fantasie nutzen, um mir vorzustellen, wie hier früher geschuftet wurde, um Kupfer abzubauen, es aus dem Wald zu transportieren, um es dann weiter zu verarbeiten oder zu verkaufen. War sicher keine leichte Arbeit.

Nach einer Weile machte ich mich wieder auf den Rückweg und genoß die Abendsonne. Schneller als gedacht war ich wieder am Auto. Jetzt, wo ich weiß, wie man hinkommt, plane ich sicher bald mal wieder einen Ausflug zur Flengruvan. Dann in Gesellschaft und mit einem leckeren Fikakorb.

Für alle, die gerne ohne meine inkompetente Begleitung selbst auf Entdeckungstour gehen wollen – hier kommt eine Wegebeschreibung:

Kurz hinter Gesunda (in Richtung Siljansnäs) rechts in den Waldweg Richtung Garberg (ausgeschildert) einbiegen. Nach ein paar Kilometern links abbiegen Richtung Lövberg, der Weg führt hier über eine Brücke und gabelt sich direkt dahinter, diesmal links halten. Diesem Weg folgen bis er am Wendeplatz hinter Övre Lövberg endet. Der Wendeplatz ist ringförmig mit Bäumen in der Mitte. Vom Weg aus gesehen beginnt der berühmtberüchtigte Traktorweg auf der rechten Seite (nicht links und auch nicht geradeaus, ich hab das für euch getestet). Nach einigen Metern fängt dann links vom Traktorweg der Wanderpfad an (rote Markierung). Der Wanderpfad ist einfach zu gehen und auch schon für Kinder machbar. Nur am Schluss wird es etwas steiler zur Kupfermine herunter. Der Wanderweg ist ca. 1,2 km lang (einfacher Weg).

Viel Spaß!

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